Böhmi, Merkel und die Meinungsfreiheit

Die Wellen schlagen derzeit hoch im Lande. Das „schlimme“ Gedicht von Jan Böhmermann hat mehr ausgelöst, als er sich wahrscheinlich hätte vorstellen können und so schwimmt Böhmi jetzt wie Treibgut im Strudel der politischen Kleingeistigkeiten. Ich stehe zwar hinter ihm, aber nicht deshalb, weil er seine Sache besonders gut gemacht hätte, sondern weil es hier um unser höchstes Gut, die Meinungsfreiheit geht.

Jetzt sind ja viele erstmal empört, weil das Gedicht ja so ekelhaft und beleidigend sei und der Böhmermann deshalb zu Recht seine Strafe erhielte. Im Ernst Leute? Das Gedicht hat bestenfalls Pennäler-Niveau, und genau das ist auch der Punkt, weshalb es nahezu lächerlich ist, hier mit harten Strafen kommen zu wollen. Wer fühlt sich denn ernsthaft beleidigt von solchen Nichtigkeiten? Da ist kein Pfeffer drin, nichts trifft so richtig und die gesamte Kritik verpufft doch gerade deswegen, denn sie geht komplett am Kern vorbei. Wer, außer Berufs-Beleidigten, stößt sich an Angriffen, die so sehr am Objekt vorbei punktgenau ins Nichts zielen? Böhmermann macht es plump und stumpfsinnig, ohne besonderen Witz und weder pointiert noch scharfsinnig. Ich hätte einfach mehr von ihm erwartet. Ich halte Böhmermann für ein kluges Köpfchen und bin deshalb von seiner eher dümmlichen Polemik enttäuscht. Warum konnte er nicht mehr Geist beweisen, statt nur debile, einfache Polemik auf Null-Niveau zu präsentieren und diese mit einer Reihe von Fäkal-Ausdrücken zu „krönen“? Warum konnte er Erdogan nicht die Dinge vorwerfen, die man ihm tatsächlich zum Vorwurf machen kann statt sich auf sein Gemächt und seine unterstellten sexuellen Präferenzen zu konzentrieren. Da wäre doch Potenzial genug gewesen, auf das er sich hätte konzentrieren können. Erdogan ist in dieser Hinsicht doch nahezu die Mutter aller möglichen Angriffsflächen. Schade drum.

Wie dem auch sei, ich bin nicht empört, weil ich Kraftausdrücke und Polemik selbst zu gerne mal verwende. Ich halte nichts von Leuten, die bestimmte Begriffe „nicht in den Mund nehmen“ wollen, weil ich denke, dass zu einem vollständigen Wortschatz auch mal ein Kraftausdruck dazugehört. Erst die gesamte Spanne an Begrifflichkeiten macht die Sprache rund. Aber das Verhältnis muss stimmen und das tut es in diesem Fall leider überhaupt nicht.

Jetzt hat die Opportunistin Merkel nicht nur, wie schon so oft, fehlendes Rückgrat bewiesen und sich in vorauseilendem Gehorsam bei dem Diktator entschuldigt, sondern auch noch den Forderungen des Despoten nachgegeben, Böhmi dafür zu bestrafen. Sie stützt sich dabei auch noch ein antiquiertes Gesetz aus Kaisers Zeiten, das beispielsweise in Frankreich deshalb abgeschafft wurde, weil es sich als undemokratisch erwiesen hat. Pech für Böhmermann, aber auch Pech für die Demokratie als solche. Ich kann nur hoffen, dass im Zuge dieses Verfahrens nicht nur ein Freispruch für Böhmi und somit auch die Bestätigung unserer demokratischen Grundfesten herauskommt, sondern auch dieses Gerstenkorn im Auge unserer Souveränität eliminiert wird. Dieses Gesetz aus der Steinzeit muss weg, denn schlussendlich müssen vor dem Gesetz alle gleich sein, und da darf die Beleidigung eines Staatsoberhauptes nicht mehr Gewicht haben, als die eines Bettlers.

Deshalb muss ich hinter der Aktion von Jan Böhmermann stehen. Als demokratischer Mensch bleibt mir hier keine Wahl, auch wenn ich mir einen besseren (vor allem besser formulierten) Anlass gewünscht hätte, hinter dem ich stehen kann. Ich stehe mit einem blöden Gefühl in der Magengegend hier, aber ich kann aus besagten Gründen auch nicht hier weg.

 

 

 

 

 

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