Wer’s glaubt

Zunächst muss ich ein wenig ausholen

Religion und Glaube sind falsche Versprechen. Genauer, halb(gar)e, an Bedingungen geknüpfte Heilsversprechen mit angehängten Drohungen – Wie janusköpfige Glückskekse mit integrierter Arschkarte. Das Versprechen: „Du machst jetzt widerstandslos, was man dir sagt und wenn du nicht aufmuckst, dann bekommst du nach deinem Tod vielleicht eine Belohnung – ansonsten machst du trotzdem, was man dir sagt und bekommst nach deinem Tod ewige Qualen. Ach übrigens, dir gefällt das!“. Tolles Heilsversprechen, oder? Da wird einem ganz warm ums Herz.

Es ist mir ein Rätsel, wie es dieses Konstrukt schaffte, den Menschen beseelt lächelnd tun zu lassen, was man von ihm verlangte, aber er tat es. Denn früher beherrschte der Glaube sämtliches Denken und Handeln des Menschen. Dieser Glaube hatte den Menschen für eine sehr, sehr lange Zeit ganz fest im Griff, weil diesem die Kenntnis von der Natur und der Struktur der Dinge fehlte, welche die Welt ausmachen.

Glaube verkleistert die grauen Zellen der Menschen mit allerlei geistigem Unrat, der einem fortschrittlichen Denken im Wege steht. Unwissenheit, Ignoranz und Angst sind und waren die tragenden Säulen dieser auf dem Glauben basierenden Sicht des Menschen auf die Welt und deshalb waren die Zeiten des Glaubens auch dunkle Zeiten. In seinem Namen hatte der Mensch mehr Leid und Unheil über die Welt gebracht, als das versprochene, sogenannte „Seelenheil“ je zu tilgen in der Lage sein würde, aber der gläubige Mensch erkannte das lange nicht.

Irgendwann gewann der gläubige Mensch jedoch an Wissen, begann zu begreifen, zu analysieren und zu verstehen. Er hatte begonnen, den Glauben, der ja nichts weiter war, als ein diffuser Zustand aus Vermutungen, Vorstellungen, Ängsten und Hoffnungen, angereichert mit haltlosen Behauptungen und Versprechen, durch Wissen zu ersetzen. Und mit diesem Wissen reifte auch die Erkenntnis darüber, wie nutzlos dieser Glaube eigentlich war.

Der sollte jetzt weg und man wollte all die Dämonen und Geister aus finsteren Zeiten, im Klo der Geschichte versenken und die Wissenschaft sollte der Schlüssel zu dem Scheißhaus sein, in dem dieser stinkende Haufen Torheit abgeseilt werden sollte. Der Glaube sollte dem Wissen weichen und alle tumben Einfaltspinsel zum Licht der Erkenntnis geführt werden.

 

Glaube ist unverderblich

Doch Ignoranz ist hartnäckig und Dummheit wahrscheinlich verbreiteter, als dunkle Materie. Sowas lässt sich nicht einfach zum Abort führen. Zudem waren durch die endlosen Jahre des Siechtums im „Saft“ dieses omnipräsenten Phänomens „Glaube“ bereits die menschlichen Gehirnstrukturen teilweise degeneriert, so dass Teile der Menschheit bleibende genetische Schäden am Gehirn davontrugen, die sich in Form eines „religiösen Zentrums“, des sogenannten „Gottesmoduls“ zeigen. Ein Problem, das unsere heutige Gesellschaft immer noch beschäftigt. Der Glaube kann aufgrund dieser Defekte nicht endgültig überwunden werden und sobald ein Volk über mehrere Generationen in Unwissenheit gehalten wird, bricht der Anachronismus wieder hervor.

Aber im steten Kampf gegen Ignoranz und Dummheit, obsiegte am Ende der Verstand und sogar das verbissene Christentum fand irgendwann Wege, sich langsam vom Terror des Glaubens zu lösen. Gegen alle Hindernisse und widrigen Umstände haben wir es hier in Europa geschafft, ein lockeres Verhältnis zu unserer Religion und denen anderer Völker aufzubauen, auf das wir stolz sein können. Heute muss hier niemand mehr um sein Seelenheil fürchten, wenn er sich nicht mit billigen Versprechen an der Nase herumführen lässt. Es ist mir sehr wichtig, das zu betonen, denn nur diesem legeren, vom Zwang befreiten Umgang mit der Religion ist es zu verdanken, dass eine der gefährlichsten Waffen gegen den Geist des Menschen entschärft werden konnte. Heute kann man sich mit gutem Gewissen als Christ bezeichnen. Das Wort steht jetzt in erster Linie für Nächstenliebe. Man muss nicht einmal gläubig sein, um diese Leistung zu respektieren. Das Christentum hat sich weitgehend aus seinen Zwängen befreit und für die meisten seiner Anhänger hat der Glaube nur noch eine formale Bedeutung. Und gerade das macht ihn so gut. Man hat die Wahl, Nächstenliebe und Altruismus aus ihm zu ziehen, ohne sich dabei die Löffel verbiegen zu lassen, oder zum Moral-Apostel mutieren zu müssen. Das ist ganz klar die Stärke unseres Glaubensbezugs. Obwohl ich selbst nicht an Gott glaube, schätze ich die christlichen Werte. Weil mich niemand dazu zwingen muss. Dafür bin ich dankbar.

Aber Glaube ist trotzdem nicht ungefährlich. Selbst in unserer modernen Gesellschaft.

Denn sogar fortschrittliche Gesellschaften haben noch ständig mit wiederkehrenden Schüben rückwärtsgewandter Denkweisen zu kämpfen, wie man an verschiedenen Symptomen wie pseudoreligiösen, esoterischen Auswüchsen, Sekten, Kreationismus und anderem geistigen Humbug unschwer erkennt. Zum Beispiel, wenn eigentlich bereits aufgeklärte Gesellschaften, wie etwa die Amerikaner, einen dennoch sehr reaktionären, mittelalterlich anmutenden und mitnichten lockeren Umgang mit ihrem Glauben demonstrieren. Da fragt man sich manchmal schon, wie „modern“ die da wirklich sind. Das Moralisieren beherrschen sie ja ebenfalls meisterlich.

Besonders gut festmachen kann man die Gefährlichkeit des Glaubens aktuell am Islamismus, der zwar zugegebenermaßen von Millionen Anhängern friedlich gelebt wird, der aber immer dann sein wahres Gesicht zeigt, wenn er die Mehrheit der Gläubigen in einer Region stellt. Dann ist schnell die Scharia zur Hand, Ungläubige werden tyrannisiert und gejagt, Hände abgehackt etc. – das Übliche eben. Demütig gibt sich der Islamismus nur, solange er sich in der Minderheit befindet. Deshalb ist der Islam heute in etwa so weit weg von unserem Glaubensbezug, wie dieser von seinem mittelalterlichen Gegenstück aus unserer Sicht.

Jetzt sagen ja viele, das Christentum habe ja vor tausend Jahren ebenfalls schlimm gewütet und sie haben Recht. Im frühen Mittelalter war unser Zugang zum Glauben noch genauso rückständig, kleingeistig und engstirnig und fanatisch, wie der Islam heute und wir haben uns wie Berserker aufgeführt, um diesen zu verbreiten, ihn bis aufs Blut verteidigt und waren bereit, dafür zu töten. Das Alles hat uns gelehrt, dass man einen anderen Zugang zur Religion und zum Glauben finden muss. Dass man das nicht verbissen sehen darf und diejenigen zu tolerieren hat, die die eigenen Ansichten diesbezüglich nicht teilen.

Und wir haben vom absoluten Tiefpunkt nur annähernd tausend Jahre gebraucht, um so locker damit umgehen zu können, wie wir das heute tun. Zeitgeschichtlich gesehen ein Klacks. Die islamophilen Geistes-Bereicherer können von mir aus also gerne in tausend Jahren noch mal anklopfen, wenn sich ihr dogmatischer, frühmittelalterlicher Religionsbezug zu einer modernen, offenen und im Umgang lockeren Religiosität gewandelt hat, so wie es auch bei uns der Fall war. Bis dahin könnt ihr euch das Zeugs aber bitte sonst wo hinstecken, wenn ihr versteht.

 

 

 

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