Sein Name ist Zock

Zock Ludowski

Zock ist ein Spätentwickler. Denn obwohl er ist bereits um die  40 Jahre alt ist, gibt sich Zock noch immer wie ein Teenager. Er steht noch immer auf Action und favorisiert das Heftige und Derbe. Er mag es schnell, hart und brutal, treibt es bunt und wild, steht auf Obszönitäten und Anzüglichkeiten und reißt häufig Sprüche. Er ist ein unbelehrbares Energiebündel, feiert lange, kommt nie zur Ruhe und ist für jeden Spaß zu haben. Zock hat viele Freunde, die genau das an ihm schätzen, vor allem aber die jüngeren unter ihnen. Mit denen hängt er oft ab.

Er ist noch immer meistens gewandet, wie ein Jugendlicher, trägt oft grellbunte Farben oder stylische Outfits. Zock legt ohnehin zu viel Wert auf das Äußere. Wenn die Optik stimmt, ist er zufrieden, zumindest für eine Weile. Zock hat jeden technischen Schnickschnack und präsentiert ständig den neuesten Scheiß, aber bereits nach kurzer Zeit wird ihm auch das öde. Mit den inneren Werten nimmt er es dafür oft nicht so genau. Es mangelt ihm hier und da an Tiefgang und Stil, aber das macht er mit seiner forschen Art und seinem überbordenden, dafür leider etwas infantilen Witz, wieder wett. Zock lacht am liebsten über anzügliche Witze und hat einen derben Sinn für Humor.

Zock nimmt es mit den Details nicht so genau. Er wirkt oberflächlich und macht vieles einfach nur, weil es alle so machen. Er ist ein richtiges Herdentier und läuft ständig dem neuesten Trend nach. Trends mag Zock, weil seine Aufmerksamkeit häufig sprunghaft und kurzlebig ist. Seltener hat er auch einen Moment der Stille, aber dann zeigt er unerwartet auch mal sowas wie Geschmack, meistens wenn man nicht damit rechnet, doch bereits im nächsten Moment haut er wieder ‘nen einsilbigen, aber trocken erzählten Oneliner raus, zwar ohne jeden Tiefgang, aber dafür voll auf die Zwölf. Das kann er gut.

Zock ist ein Springinsfeld und er scheint immer getrieben zu sein. Ein lockerer Nachmittag oder ein langer Abend mit Zock macht einen Heidenspass, was die enorme Zahl seiner Freunde erklärt. Alle wollen mit Zock rumhängen, denn bei ihm wird es (so gut wie) nie langweilig. Wenn man allerdings zu oft mit ihm abhängt, geht er einem schon mal gehörig auf den Sack mit seinen ewigen einsilbigen Bemerkungen und der juvenilen Art. Wenn es ernst wird, schweift er häufig ab und lenkt vom Thema ab. Daran findet nicht jeder seiner Freunde Gefallen. Nie kann er mal ernst sein. Er benimmt sich wie jemand, der sich dem erwachsen werden verweigert. Oft hat man das Gefühl, das biologische Alter sei Zock vorausgeeilt und nun habe er Probleme, sich dementsprechend zu verhalten. Doch ganz allmählich beginnt Zock, sein Entwicklungsdefizit aufzuholen.

Langsam, dafür aber unübersehbar wächst Zock aus seiner letzten Konfektionsgröße raus. Die alten Jeans sind zwar gut eingetragen, aber es kneift  schon eine ganze Weile an empfindlichen Stellen. Und das ist bereits deutlich zu sehen. Zock passt kaum noch in seine alten Klamotten. Und die Klamotten nicht mehr richtig zu Zock. Zudem sieht das abgewetzte Jugend-Outfit zwar cool aus, aber es sollte allmählich mal gewechselt werden, denn wenn wir ehrlich sind, steht es ihm ohnehin nicht mehr so gut zu Gesicht, sich wie ein Teenager zu kleiden in dem Alter. Es wird längst Zeit für ihn, in die Abteilung für Erwachsene zu gehen und sich eine neue Garderobe zuzulegen. Eine, mit der er allgemein eine gute Figur macht, die es seinen älteren Freunden (und auch davon hat er viele) nicht unmöglich macht, sich mit ihm in der Öffentlichkeit blicken zu lassen.

Damit er zum Beispiel mit seinem Halbbruder Glotz Filmherr ins Kino gehen kann, ohne ihn zu blamieren. Der Typ ist schon ein paar Jahre älter als Zock und in der Gesellschaft hoch angesehen. Er liebt seinen kleinen Bruder, aber manchmal ist es ihm schon ein wenig peinlich, sich mit ihm in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dennoch ist Zock in letzter Zeit öfters mit ihm unterwegs. Geschichten findet Zock nämlich klasse und deshalb erzählt er sie auch gerne. Leider fehlt es auch hier oft an Niveau.

Da ist auch noch seine Großtante Lies’chen Buchholz, die Zock gerne die Flausen aus dem Kopf zu treiben würde. Gerne würde sie Zock für literarische Inhalte interessieren und ihm zeigen, wie man sich ernsthaften Themen mit Stil nähert, ohne dabei plump oder peinlich zu wirken. Schließlich ist er ja alt genug. Da könnte er auch mal etwas Gehaltvolles machen. Aber nicht, wenn er rumläuft, wie ein spät-pubertierender Teenager und sich dabei aufführt, wie ein Pausenclown auf Extasy. Dann findet sie Zock einfach nur albern. Und nicht nur sie.

Obwohl es lange gedauert hat, beginnt Zock gerade, das auch selbst zu bemerken. Wo früher nur der Drang zum Toben und Herumtollen war, entsteht allmählich ein Interesse an feingeistigen Dingen. Mit der Zeit wächst halt auch der Charakter und die Grenzen der Wahrnehmung werden immer weiter gesteckt. Und das freut besonders seine alten Kumpels, die mit Zock aufgewachsen sind. Denn die hat es schon lange gestört, dass Zock sich noch immer aufführt, wie die Axt im Walde. Zock fühlt sich zwar wohl mit jungen Leuten, aber er zählt auch viele Ältere zu seinen Freunden. Und obwohl diese Zock ebenfalls sehr schätzen, weil sie ihn bereits seit der Kindheit kennen, sind nicht alle von Zocks ungestümer Art und Weise, rund um die Uhr einen draufmachen zu müssen, begeistert. Manche würden auch gerne mal einen stillen Moment mit Zock teilen, mit ihm tiefgründige Gespräche oder philosophische Diskurse führen, neue Terrains erkunden, untiefen ausloten. Denn Zock ist eigentlich wesentlich vielfältiger als er sich gibt, kann so viel mehr, als er sich selbst zutraut. Manch einer hat es bereits feststellen dürfen und mit Zock ein paar tolle Erfahrungen gemacht, ganz ohne Remmidemmi. Das sind die stillen Momente, in denen Zock zeigt, dass er im Kern zu Großem fähig ist, wenn er es zulassen würde. Wenn er nicht, was er leider gerne tut, einfach immer auf Nummer sicher gehen würde. Wenn er nicht mal wieder versuchen würde, es allen auf einmal recht zu machen und stattdessen einmal die Charaktestärke demonstrieren würde, die in ihm steckt. Zock beginnt das offensichtlich aber auch selbst langsam zu begreifen und strahlt in manchen Momenten bereits eine gewisse Reife aus, die er allerdings selbst noch viel zu oft unter seiner flachsigen Oberfläche versteckt.

Deshalb ist es seinen Freunden aus alten Tagen so wichtig, dass Zock zu der Würde findet, die ihm bereits innewohnt, die er aber nicht zulässt. Immer dann, wenn Zock zeigen darf, wieviel tiefgründiges und kluges in ihm steckt, wie smart und angenehm es in seiner Gesellschaft sein kann, fernab aller Plattitüden und kindischer Peinlichkeit, weiß man, warum man ihm trotz seiner Eskapaden noch nicht die Freundschaft gekündigt hat. Auch, wenn man beizeiten schon daran gedacht hat. Denn das sind die Augenblicke, in denen man seine jahrelange Freundschaft zu Zock gerne teilt. Diese Augenblicke manchen nämlich den Wert dieser Freundschaft aus.

Deshalb lasst Zock bitte erwachsen werden. Er darf sich ja eine kindliche Seite beibehalten, aber das geht nur, wenn er sich nicht wie Peter Pan verzweifelt an etwas klammert, das ihn innerlich klein hält. Zu Wahrer Größe kann ein ewiges Kind nämlich mangels Reife niemals fähig sein.

 

 

 

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