Wie man in den Wald hineinruft…

Ich lese jetzt bereits seit Jahren immer wieder, dass Hass, Wut und in Worte gepresste Scheiße, das kommunikative Milieu im Netz verschmutzen. Dass die Verschmutzung der Internetperistase von einem kommunikationsunfähigen Pöbel verbreitet würde, dem man beikommen müsse, weil er die gesamte Atmosphäre vergifte. Der Furor wuchere ungezügelt im Netz und schuld daran sei das teilhabende Prekariat, das im Schutze der Anonymität ungeniert und ungehemmt seine niederen Triebe auslebe.

Der Tenor ist immer der gleiche: Es ist immer das niedere Volk, die Dummen, die Bösen, die Asozialen, die Schlechten.
Es sind stets gemeine Menschen, die den Guten böswillig den Spaß verderben. Es ist immer unzivilisierter, menschlicher Abschaum, der den Ehrenwerten und Aufrechten etwas wegnehmen will. Immer sind destruktive Kräfte und am Werk, ist eine niedere Gesinnung, Gewaltbereitschaft oder ehrlose Motivation im Spiel. Wutbürger, Arschlöcher und Spaßverderber, Nazis, Misogynsten, Antisemiten und Rassisten – Menschenfeinde allesamt. Wertlose, verlogene Brut, die sich der Infrastruktur der Rechtschaffenen bedient um Unfrieden zu stiften, zu beleidigen, zu drohen, zu mobben und zu hassen. Hass, der aus dem Nichts über die Guten kommt, wie ein Schwarm Heuschrecken.

Aber kommt der Hass wirklich aus dem Nichts?

Bevor ich darauf eingehe, beziehe ich erstmal Stellung. Natürlich gibt es Dinge, die nicht entschuldbar sind. Drohungen und Beleidigungen gehören selbstverständlich nicht in eine aufgeklärte Gesellschaft und sind auch niemandem zumutbar. Bei solchen Aktionen hört alle Toleranz auf und ich verteidige hier keineswegs irgendwelche Honks, die sich aufführen, wie Dreckschweine. Es ist mir nicht daran Gelegen, hier des Teufels Advokat zu spielen oder Ausreden für Arschlöcher zu postulieren. Mich interessiert vielmehr, die Bigotterie hinter dem Phänomen Hass 2.0.

Ja, es weht durchaus manchmal ein rauer Wind im Netz, das mag sein, doch die schlimmen Vorfälle sind immer nur die Ausnahmen. Die Taten einiger vereinzelter Verstrahlter, die aufgrund ihrer Unnachvollziehbarkeit so schockieren, dass bereits wenige davon eine derartig intensive, abschreckende Wirkung entfalten, dass sie ein nachhaltig schlechtes Licht auf die Diskussionskultur werfen, welches ihrer nicht gerecht wird. Die Diskussionskultur im Netz ist besser, als ihr Ruf, auch wenn es Menschen gibt, deren Verhalten einem manchmal Anlass geben könnte, daran zu zweifeln. Es sind immer nur die Lautesten und Auffälligsten, die das gesamte Bild trüben und sie sind in der Regel deutlich in der Unterzahl. Sie sind wie das eine Haar, das die ganze Suppe ungenießbar macht, obwohl es kaum Masse hat.

Zu klären, woher das Haar in der Suppe kommt, ist ohnehin wichtiger als einen Hass wahrzunehmen und diesen dann willkürlich jenen Menschengruppen zuzuordnen, deren Meinung einem grad nicht passt. Die Schuld bei denen zu suchen, die gerade den allgemeinen Frieden stören und die Ursachen für ihr Verhalten nicht sehen zu wollen, ist Teil des Problems. Dieser ganze Hass geht nämlich nicht nur von einer Seite aus, sondern entspringt ebenso eurem eigenen Gestus. Er ist das Diktum gegen eine politisch korrekte Agitation, die immer aggressiver und deutlicher vorgetragen wird. Die Bilanz einer Forderung nach totaler Unterwerfung unter ein gleichgeschaltetes Spießbürgertum.

Kurz gesagt: Der Hass, der euch entgegenschlägt, ist die Antwort auf eure Gutmenschenpropaganda!

Ihr verachtet Menschen, die nicht eure Meinung teilen und nennt sie Nazis, Faschisten oder Frauenfeinde, unterstellt ihnen Homophobie, Sexismus, Hass und Dummheit. Ihr stellt willkürlich frömmelnde Regeln auf, erhebt absoluten Anspruch auf die Deutungshoheit und glaubt, dass nur ihr ganz alleine über die Durchsetzung der von euch selbst postulierten Moralvorstellungen Wachen dürft. Ihr seid so sehr von eurer Sittlichen Überlegenheit überzeugt, dass ihr gar nicht mitbekommt, dass euer Gestus eine ekelhafte Aura aus Arroganz und Blasiertheit verströmt.
Die geringschätzende Haltung gegenüber non-konformistischen Geistern quillt euch aus jeder Pore und eine überhebliche, pejorative Attitüde sickert aus jedem Wort im demütigenden und schmähenden Vokabular eurer moralisch verbrämten Texte.

Ihr selbst sät den Hass! – Und wundert euch dann über den Shitstorm, der euch entgegenweht.

Wenn ihr keinen Hass ernten wollt, dann sät auch keinen. Denn wer mit brennender Verachtung in den Wald hineinruft, dem schallt ein Inferno des Hasses wieder heraus. So einfach ist das.

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