Weltfremd?

Aus gegebenem Anlass

Frau Antje Schrupp, laut eigener Definition Feministin, schreibt in ihrem Blog „Aus Liebe zur Freiheit“ über feministische Belange. Dabei ist sie nicht zimperlich, wenn es darum geht, dem Mann als vermeintlichen Täter und Verursacher allen Übels auf Erden, pauschal seine Rechte abzusprechen.

In dem Text, auf den ich mich beziehen werde, geht es um einen Nagellack, der als Indikator für KO-Tropfen dienen soll. Dieser Kommentar bezieht sich wiederum auf einen Artikel in der FAZ, wo der Autor die Verwendung dieses Nagellacks als „weniger vorverurteilend“ einschätzt, als ebenfalls erhältliche KO-Tropfen-Tester in Kreditkartenform oder Ähnliches.

Dort schreibt sie:

„Soso, einen Drink auf K.O.-Tropfen zu testen, ist also “vorverurteilend”. Damit übernimmt der Autor ein maskulinistisches Wording, das seit einiger Zeit die Runde macht, nämlich das Herumgejammere darüber, dass ständig unschuldige Männer zu Unrecht beschuldigt würden, Frauen etwas Böses zu wollen. Gilt denn für sie nicht die Unschuldsvermutung?“

Sie beantwortet sich die Frage auch gleich selbst mit den Worten:

„Nein, gilt sie nicht. Denn Vergewaltiger sehen von außen betrachtet genauso aus wie alle anderen Männer auch.“

Im gleichen Text finden sich dann auch folgende Aussagen, an denen man sehen kann, in welcher Welt Frau Schrupp zu leben glaubt, bzw. von der sie behauptet, es handele sich hierbei um unser aller Lebensrealität.

Sie schreibt:

„Natürlich ist K.O.-Tropfen-indizierender Nagellack keine gesellschaftliche Lösung für das Leben in einer Vergewaltigungskultur.“

Und an anderer Stelle:

„Solange wir in einer Vergewaltigungskultur leben, tun Frauen in bestimmten Situationen gut daran, ihre Drinks auf Betäubungsmittel zu testen.“

 

Vergewaltigungskultur, wirklich?

 

Nun, diese Worte waren der Anlass für mich, Frau Schrupp aufzuzeigen, warum diese Formulierung, bezogen auf unsere Gesellschaft, weder zutreffend noch angebracht ist.

Ich habe also versucht, auf Frau Schrupps Blog einen Kommentar zu hinterlassen, der allerdings nicht freigeschaltet wurde. Ich sehe mich deshalb dazu veranlasst, diesen Kommentar hier zu veröffentlichen, denn wie ich zu diesem Thema stehe, möchte ich der Welt dennoch mitteilen.

 

Werte Frau Schrupp

Gleich zwei Mal den Begriff „Vergewaltigungskultur“ ins Feld zu führen macht die Realität nicht gleich zu dem, was sie mit diesem Begriff andeuten. Nur weil sie etwas behaupten, wird es nicht gleich wahr. In unserer Gesellschaft (damit meine ich hier in Deutschland und in der westlichen Welt) gibt es keine Kultur der Vergewaltigung. Schon diese Behauptung spricht Bände über den, der sie ausspricht. Das ist polemisch und tendenziös und entspricht dabei höchstwahrscheinlich  keinesfalls der von der Mehrheit der Bürger in diesem Lande empfundenen Realität.

Neusprech wie „maskulinistisches Wording“ rechtfertigt nicht die pauschale Negation der Unschuldsvermutung, die jedem Menschen laut Gesetz zusteht. Eher deutet diese Wortwahl darauf hin, dass jemand durch wertende Begriffe die Gewichtung des Gesagten in eine für diese Person vorteilhafte Richtung zu lenken gedenkt.

Es geht auch gar nicht um den Fingernageltest, sondern darum, was der neo-feministische Geist, der durch ihre Worte weht, daraus macht. Dem Mann aufgrund seines Geschlechts die Unschuldsvermutung pauschal abzusprechen, weil er „von außen betrachtet genauso aus wie alle anderen Männer auch“ aussieht, ist ein Generalverdacht. Und diesen haben sie formuliert, nicht die Damen, die besagten Lack benutzen.

Der Generalverdacht entsteht nicht bei Benutzung dieses Tests. Wer sich absichern will, dem sei dieses Mittel so recht, wie jedes andere. Das ist eine individuelle Entscheidung und damit hat niemand ein Problem.

Der Generalverdacht entsteht erst dann, wenn die Wirklichkeit, in der Menschen wie meine Wenigkeit (und wohl die meisten anderen auch) tendenziell grundsätzlich in Harmonie mit dem weiblichen Geschlecht leben, von Menschen mit offensichtlich anderem Blick auf die Realität negiert und zu einer Hölle (v)erklärt wird, die sich mir selbst noch nie zeigte. Er entsteht, wenn bestimmten Menschen ihre subjektiven Erfahrungen, ihre Empathie und ihr daraus resultierendes Weltbild abgesprochen werden, weil diese sich nicht mit den ebenfalls subjektiven Erfahrungen anderer Menschen deckt.

Was macht denn ihr Weltbild oder das derer, die Opfer von Arschlöchern und Vergewaltigern wurden, wahrer, echter oder authentischer als das meine oder das all der Menschen, die eine bessere Welt erfahren haben?

Schlechte Menschen und Verbrechen gab es immer und wird es immer geben. Kriminalität ist nun mal leider ein Teil unserer Welt. Das ist schlimm und traurig, rechtfertigt aber nicht die pauschale Vorverurteilung der Hälfte unserer Gesellschaft. Gerechtfertigt ist bestenfalls die wohlverdiente Strafe für Verbrecher und Vergewaltiger, die auch der Tat überführt werden. Dass es Kriminalität gibt ist ja auch kein ausreichender Verdacht, diese bei jedem zu vermuten, der diese potenziell begehen könnte. Dann wären alle Menschen immer verdächtig, denn jeder könnte ja ein Verbrechen begehen. Nach ihrer Logik müssten alle Menschen potenziell unter Mordverdacht stehen, da sie ja äußerlich nicht von Mördern zu unterscheiden sind.

Merken sie was?

Sich aufgrund der Verbrechen einer Minderheit eine auf Subjektivität fußende Realität zusammenzusetzen, diese als allgemeingültig zu erklären und damit auch noch die Missachtung grundgesetzlich verankerter Rechte legitimieren zu wollen, ist doch ein starkes Stück. Das zeigt mir, wie mittelalterlich und rückständig sich der moderne Feminismus zeitnah gibt. Der Feminismus verkommt doch gerade von einer ursprünglich unterstützenswerten Bewegung zu einer nahezu religiotisch anmutenden Ideologie.

 

Und dann wundert Frau sich, warum der Feminismus angefeindet wird.

 

Noch mal Ausdrücklich am Ende, damit man es nicht falsch interpretieren kann:

Ich streite nicht ab, dass es Vergewaltigungen gibt.

Ich verharmlose nicht den Schaden, den ein vergewaltigter Mensch an Seele und Körper nimmt.

Ich verachte Vergewaltiger und Alle, die anderen Menschen Schaden zufügen.

 

Aber ich werde niemals akzeptieren, dass die eine Hälfte der Menschen sich pauschal und ohne konkrete Hinweise des Verbrechens an der anderen Hälfte bezichtigen lassen soll, nur weil der Feminismus gerade offensichtlich aus der Spur läuft.

 

ERGÄNZUNG

Weitere Stimmen dazu:

Mein Senf  – Genderama – Emannzer  – Meinungen & Deinungen

 

WEITERE ERGÄNZUNG

Kritik  am Begriff  Vergewaltigungskultur allgemein:

Maskulismus für Anfänger

 

 

 

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7 Gedanken zu “Weltfremd?

  1. Pingback: Keine Unschuldsvermutung für Männer | Mein Senf

  2. Pingback: Nagellack & Drinks = K.O.-Feminismus | emannzer

  3. Ein guter Beitrag und ‚offener Brief‘ an Frau Schrupp von dir. Der inhärenten Logik wird sie sich wohl verschlossen, bzw. die Aussage nicht verstanden haben, so sie denn gewillt und fähig dazu ist/war. Danke auch für die Verlinkung, ich denke das sollten wir Blogger alle tun (ich bemühe mich nach Kräfen).

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  4. „… in welcher Welt Frau Schrupp zu leben glaubt, …“

    Sie glaubt es wirklich, und nicht nur sie, auf dieser Seite stehen noch mehr Zitate und Referenzen.
    Schrupp ist Fanatiker. Zum Fanatismus gehört immer eine extrem einseitige Realitätswahrnehmung bzw. ein Tunnelblick, ferner eine bis ins Absurde reichende Unlogik (Schrupp hat sich letztens noch im Rahmen der Fappygate-Affäre hinreichend blamiert).

    Ab einem bestimmten Grad an Fanatismus sind keine sinnvollen Diskussionen mehr möglich, so ähnliche wie bei überzeugten Kreationisten. Wenn man deren Unlogik aufzeigt, dann kann die entstehende kognitive Dissonanz nur noch durch Zensur oder Ablenkungsmanöver verarbeitet werden. Da besteht kein großer Unterschied zwischen Schrupp, diversen fanatisierten Mädchenmannschaften und rechtsradikalen „Männerrechtlern“. Wenn möglich investiere ich daher keine Zeit, mich mit diesen Leuten zu befassen.

    Schrupp und Co. haben im Verbund mit diversen Frauenministerien und feministischen Parteien leider sehr viel Macht. Insofern muß man gegen ihre absurden Argumentationen gegenhalten. Die Frage ist, ob das unbedingt auf ihrem Blog sein muß und ob der eine breitere Öffentlichkeit erreicht.

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    • Ja, da muss ich dir leider recht geben. Je stärker der Irrglaube, desto weniger hilft Logik. Das ist ja die Krux mit der Logik. Sie funktioniert leider nur bei Menschen ohne Seiten-verkehrtes Weltbild. Bei denen mit Hang zum Realitätsverlust führt Logik beinahe immer reziprok zu wachsender kognitiver Dissonanz. An der Stelle, wo eine Auflösung der Dissonanz nicht mehr ohne weiteres möglich ist, brechen dann alle inneren Dämme und die Personen ergeben sich ihren Trugschlüssen, weil eine Begradigung der eigenen Fehlinterpretationen nicht mehr ohne Gefahr für die eigene geistige Stabilität möglich wäre. Menschen vom offensichtlichen Irrweg abzubringen gilt genau deshalb gemeinhin als schwer und in schweren Fällen sogar als fast unmöglich.

      In der Matrix lässt es sich eben mit der blauen Pille besser leben, als in der Realität mit der roten.

      Kognitive Dissonanz ist hier das Stichwort.

      Ich bin ohnehin der Meinung, dass kognitive Dissonanz die allermeisten Missstände in der Gesellschaft verursacht, sowohl aktuell, als auch in der Vergangenheit, weil unmissverständliche Kommunikation unter diesen Umständen kaum mehr möglich ist. Da für eine Annäherung unterschiedlicher Standpunkte eine funktionierende Kommunikation die Mindestvoraussetzung wäre, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

      Na ja, letzten Endes stecke ich ja selbst irgendwie in der Matrix. Weil zu meinem Weltbild die Hoffnung dazugehört, versuche ich es dennoch immer wieder mit Kommunikation, auch wider besseres Wissen. 😉

      EDIT

      Der Guide bekommt einen Dauman nach oben.

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  5. Pingback: Nagellack, der “Vergewaltigungsdrogen” in Drinks anzeigt und die Rape Culture | Alles Evolution

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