Das ist doch verboten

Es waren die frühen 90er und wir waren noch jung. Wir kamen gerade aus Hengelo, wo wir zu den lieblichen Klängen einer räudigen Musik-Kapelle (ich glaube, an dem Tag hatten dort Pungent Stench aufgespielt) unsere Hirnzellen weich geschüttelt hatten. Entsprechend aufgekratzt fuhren wir im Konvoi (2 Wagen) heim, als uns an der deutsch-niederländischen Autobahn-Grenze ein paar Herren von der Staatsmacht freundlich zugewunken haben.

Mein Kollege war zuerst dran. Nach ein paar Minuten näherte sich ein grüner Schatten im Augenwinkel dann meinem Wagen und es klopfte ans Fenster. Ich ließ also die Scheibe mit der Handkurbel herunter, als sich ein unfreundlich wirkender Herr mit einer hässlichen grünen Mütze und einem mürrisch-genervten Gesichtsausdruck mir zu wand: „Guten Abend, junger Mann, haben sie irgendwelche unerlaubten Substanzen dabei? Marihuana zum Beispiel? Oder andere Drogen?

Ich antwortete mit freundlicher, aber fester Stimme (und dem Wissen, dass niemand von uns an diesem Abend derlei Substanzen konsumiert oder erworben hatte): „Aber Herr Wachtmeister, das ist doch verboten!!!“

Der Mann kontrastierte seine grüne Mütze augenblicklich mit einer Zornesröte, die ihm nicht wirklich stand. Er sah, vom modischen Standpunkt aus betrachtet, ziemlich lächerlich aus in rot-grün und das bereits Jahre, bevor sich diese Farbkombination auch dem restlichen Deutschland als nicht kombinierbar zeigen würde.

„So, das reicht, ich lasse die Hunde kommen!“, zischte er seinem Kollegen zu, woraufhin er uns polternd aufforderte, das Fahrzeug vorerst nicht zu verlassen, und die Papiere bereitzuhalten.

Als die Hundestaffel eintraf, waren die Herren Beamten bereits mit unseren Papieren durch und wir durften unsere PKWs jetzt verlassen. Die Hunde suchten die vermeintlichen Substanzen, fanden aber nur eine durchgehend Stiefelhohe Schicht aus Müll, die den gesamten Boden meines Fahrzeugs bedeckte. Die Nachfrage, warum so viel Müll in meinem Wagen lag, beantwortete ich Wahrheitsgemäß mit dem Spruch: „Weil das besser ist, als ihn auf die Straße zu schmeißen“. Diese Antwort stimmte ihn zwar nicht unbedingt freundlicher, schien ihm aber andererseits plausibel genug, sich wieder seiner Arbeit zu widmen. Sie schien ihn sogar ein wenig anzuspornen, denn er machte jetzt einen beflissenen Eindruck auf mich und ich ließ ihn seiner Arbeit nachgehen.

Wir unterhielten uns derweil feixend über die schöne klare Nachtluft, das geile Konzert und die verschwendete Lebenszeit durch Maßnahmen, die zu nichts führen konnten, außer unnötigen Schriftverkehr und verärgerte Menschen, die in der gleichen Zeit auch echte Verbrecher durchsuchen könnten. Das Übliche halt.

Am Wagen meines Kollegen konnte, bis auf das abstoßende Mazda-Beige-Weiß, das ich persönlich immer ziemlich hässlich fand, ebenfalls nichts beanstandet werden. Unsere Stimmung war ungebrochen fröhlich und stand im reziproken Verhältnis zur Laune der Herren in grün. Endlich hatten sie wohl entschieden, jemand anderem die Zeit zu stehlen, oder einen richtigen Schmuggler zu fangen, ich weiß es nicht. Egal, Hauptsache, sie gaben auf.

Nachdem die Staatsmacht schließlich abgerückt war, fragte ich meinen Kollegen, was er denn gesagt hatte, was den Herrn so aufgeregt haben könnte. Dieser hatte auf die Frage nach den Drogen geantwortet: „Na klar, ich habe die Radkappen voll bis obenhin.“

Es war, als hätte eine hämische Macht uns ergriffen und als sarkastische Trüffelschweine benutzt.

Wir lachten und witzelten dann noch ein paar Minuten, fuhren anschließend nach Hause und zumindest ich schlief wie ein Baby. Unschuld (vor allem, wenn man sich quasi darin gesuhlt hat) ist immer noch das beste Ruhekissen. Das hätten auch die härtesten Drogen nicht besser hinbekommen.

Advertisements