Polemischer Widerstand

Du kannst reinen Herzens von  dir behaupten, nie rassistisch, antisemitisch, homophob, misogyn, vorurteilsbehaftet etc. gedacht zu haben. Es ist ihnen egal. Selbst, wenn du die Inkarnation von Mutter Theresa bist – Sie wissen es besser. Nur ein einziges „falsches“ Wort, und du bist gebrandmarkt. Dann hast du das Mal und bist der Pestbote. Der Antichrist im Engelskostüm, der große böse Wolf, der Kreide gefressen hat, der Träger des Rings, der kommt, sie zu knechten…

 

Willkommen im Platzwart-Mekka, dem El Dorado der Selbstgerechten und Vorbildlichen, deren Weisheit so groß ist, dass sie für alle reicht und so absolut, ja geradezu göttlich, dass es keine andere Weisheit neben ihr geben kann. Schließlich sind sie ja die Guten, denn wer durch wahrhaftig korrektes Verhalten (als Mitmensch und Bürger) sein Gut-Sein auf diese Metaebene hochgelevelt hat, ist nahezu auserkoren, die Welt zu verbessern. Daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen.

Das ist das Weltbild der messianisch Berührten, deren großes Ego ein gewaltiges Mosaik aus ganz kleinen Karos bildet und deren Narzissmus nur noch von ihrem Dogmatismus oder ihrem Drang zur Missionierung übertroffen werden, weshalb sie sich gebärden wie die Kreuzritter. Sie sind die Paladine der politischen Korrektheit und ihre Zahl ist Legion, denn sie wissen, dass sie die Mehrheit vertreten, hier im Kleingarten der Bessermenschen an der Ecke Denunziantenplatz und Mülltrennungsgässchen.

Wer sich den gerechten Zorn dieser Zeitgenossen zuzieht, sollte vielleicht Mistforken-sichere Hosen tragen (mit verstärktem Boden), sich allgemein feuerfeste Kleidung und eine Taschenlampe zulegen, sowie einen Plan aller Gassen und Pfade in der näheren Umgebung bereithalten. Man kann ja nie wissen.

Aber noch viel wichtiger ist es, alte Schriften und Bücher aus früheren Zeiten in Folie einzuschweißen, weil sie sonst kommen, um einzelne Wörter zu ersetzen oder gleich ganze Passagen daraus zu entfernen, die ihnen nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Mit denen spaßt man nicht!

Ebenso können Benutzer bestimmter Wörter sich gleich in schwarze Listen auf Twitter eintragen, da sie ohnehin dort landen werden. So kann man es dann wenigstens nach ganz oben auf diesen Listen schaffen und hat damit schon einen gewissen Leumund beim polemischen Widerstand gegen diese Sittenwacht. Und den wird es geben, schließlich muss alles Im Gleichgewicht sein (Jing und Jang und so…).

 

Ich fange schon mal damit an:

Liebe Paladine und Sittenwächter: Solange Ihr voller „gerechtem“ Zorn darauf besteht, bestimmte Worte zu verteufeln und zu verbieten, muss ich leider darauf bestehen, die schokolierte Zucker-Schaumspeise mit untergehobener Waffel auch weiterhin als Negerkuss zu bezeichnen.

Nicht weil „man das ja wohl noch sagen dürfen“ wird, im Gegenteil, ich habe Respekt vor jedem, egal welcher Hautfarbe, Geschlecht, Präferenzen etc., sondern, weil Ignoranz zu Gegenignoranz führt und es einfach hilft zu Lachen (in diesem Fall freilich ich über euch). Lachen ist gesund und indem ich jetzt über eure Verbohrtheit lache, kann ich wieder ein paar Stunden zu meinen restlichen Lebensjahren dazu addieren.

Der Schalk, der in meinem Nacken wohnhaft ist, liebt es einfach, wenn sichtbare Äderchen an eurer Schläfe und pulsierende Stellen am Hals das gelingen einer Provokation attestieren.

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3 Gedanken zu “Polemischer Widerstand

  1. P.S.: Werte dunkelhäutige Menschen, die sich jetzt durch den oben benutzten Begriff beleidigt fühlen. Obiger Begriff richtet sich nicht gegen euch, ist nicht wertend gemeint oder beleidigend intendiert. Die Provokation gilt nicht euch und der Begriff ist seines Bekanntheitsgrades wegen (und mangels gleichwertiger Alternativen) von mir gewählt worden. Ich habe noch nie einen Menschen direkt (oder überhaupt) so angesprochen.

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