Sage ja zum Eskapismus!

Wohin führt der ständige Kampf gegen die Windmühlen dieser Gesellschaft?

Und wie hält man sich geistig fit dabei?

 

Wenn die Instanz, die eigentlich für Transparenz, Aufklärung und unparteiliche Berichterstattung sorgen sollte, stattdessen perfide die Stimmung manipuliert und die Ängste steuert.

Wenn die Probleme anderer Völker nur noch dazu dienen, von den eigenen abzulenken.

Wenn man, statt mit Nachrichten versorgt zu werden, tagein tagaus von allen Seiten zugeschissen wird mit aufgeblähten Meldungen, die gezielt Angstgefühle triggern sollen (und das ganz bewusst, denn so halten sie die Meute in Schach).

Wenn jede Meldung auf maximale Wirkung hin „optimiert“ wird, wodurch wiederum jede irrelevante Geste als bedeutsam gedeutet und jeder unwichtige Furz zur Giftwolke erklärt werden kann, während die wirklichen Gefahren von denen ausgehen, in deren Namen selbige verharmlost, oder gleich als alternativlos dargestellt werden.

Wenn einem durch korrupte Politiker, Lobbyisten und Wirtschaftsfunktionäre ständig die eigene Ohnmacht demonstriert wird, weil zwar alle Menschen gleich, diese aber eben noch gleicher sind, insbesondere bei der Rechtsprechung.

Wenn man der Gesellschaft ununterbrochen predigt, es ginge „uns“ prima, was man natürlich stets mit Bildern von Armut und Siechtum aus aller Welt belegt, um alle Kritik gleich im Keim zu ersticken.

Wenn Diskussionen und gesellschaftliche Diskurse gleichbedeutend sind mit dem Beharren auf dem eigenen Standpunkt, den es mit aller Kraft zu untermauern gilt, wobei der Diskussionspartner nach Bedarf auch beleidigt, diffamiert oder „ausgeschaltet“, werden darf.

Wenn einzelne Personen oder Gruppen mit unpopulären Meinungen mittels Dysphemismen (nach Art des 16-lagigen Klopapiers mit den 4 Buchstaben)  verunglimpft, ja sogar pathologisiert (nach Art der privaten TV-Anstalten) und als Mensch herabgewürdigt werden, nur um ihre Meinung zu unterdrücken.

Wenn auf der anderen Seite debile, Syngenismus fördernde Unterhaltung, jenseits der Grenzen von Stil, Geschmack und Kultur, die Massen ablenken soll.

Wenn ein sportlicher Sieg zu peinlichen, blamablen Gesten und hämischen Tänzchen führt, weil der Sieger seine Freude aus der Erniedrigung des Gegners zieht statt auf Fairness zu setzen.

 

Gottes Wege sind immer noch unergründlich, aber jeder entpuppt sich als eine Einbahnstraße und sie führen offenbar alle ins alte, dekadente Rom. Das zerstört die Zuversicht, in einer intakten Gesellschaft auf kulturell hohem Niveau zu leben. Vielmehr zeigt sich, wie schlecht es um unsere angeblich hochstehende Zivilisation bestellt ist und wie schnell ein kultureller Rückwärtssalto in die Vergangenheit zum bitteren Realismus werden könnte. Sowas stört die Balance im Inneren ungemein und das ist wiederum ein Beleg dafür, dass die Seele bereit ist für eine Auszeit.

 

Woran erkenne ich jetzt, dass ich reif bin für einen gesunden Eskapismus? Und reicht Lachen nicht bereits aus?

 

Lachen ist zwar gesund, aber man vernimmt dabei heuer einen kaum wahrnehmbaren Unterton, der zwischen Hysterie und Zynismus schwankt, je nachdem, auf welcher Seite (Sonnenseite oder die dunkle) des Lebens man sich gerade befindet. Oft ist man sich nicht sicher, ob man gerade Lachen soll, oder Weinen während man bereits beides tut.

Gesunden, sprich heilsamen Eskapismus erkennt man daran, dass man sein Interesse an Dingen verliert, die sich außerhalb des persönlichen Horizonts befinden. Dieses wachsende Desinteresse für die Probleme, die einen nicht direkt betreffen, ermöglicht dann eine intensivere Fokussierung auf das eigene, persönliche Glück, ohne das Gewissen zu belasten.

Die Welt geht zwar immer noch vor die Hunde, aber man erwartet das Ende jetzt mit einem Ausdruck resignierter Glückseligkeit im eigenen Gesicht, welchen man nur dann erlangt, wenn erst einmal man zu der Ansicht gekommen ist, alles in seiner Macht stehende getan zu haben, bevor man leider an der Mauer der Ignoranz umkehren musste, weil man glücklicherweise mangels Dummheit nicht bereit war, sein Wohlbefinden einem Ziel zu opfern, das offensichtlich nicht erreicht werden kann. In einer Zeit, in der es kein Außen mehr gibt, sollte einem das innerste selbst umso wichtiger sein, weshalb mir das Schicksal der Welt ab jetzt egal ist, solange ich im Herzen noch lachen kann. Dieser Zustand kann je nach Befinden unterschiedlich lang sein und ist die perfekte Alternative zur ständig behaupteten Alternativlosigkeit.

 

Man ist es dem eigenen seelischen Befinden schuldig, rechtzeitig zu dieser Einsicht zu gelangen, denn wo jeder seines Glückes Schmied ist, findet sich leider kein anderer, der für einen den Hammer schwingt.

 

 

 

 

Advertisements