Nudelholz

Stöckchen

Der Kiezneurotiker warf einen Knüppel (er bezeichnet das massige Ding doch tatsächlich als „Stöckchen“), mit Fragen, die ich teilweise nicht zufriedenstellend beantworten kann oder deren Inhalte mir nicht besonders liegen. Gleichzeitig orakelte er bewusst provokativ, sein Stöckchen würde ohnehin von keinem gefangen. Mit diesem rhetorischen Kniff hat er (dieser gerissene Fuchs) bei mir sein Ziel erreicht (Trotzreaktion).

 


 

1. Ukraine. Russland. EU. Wer hat eigentlich Recht?

Das ist nicht so ganz mein Bier. Dazu haben andere gewiss bessere Argumente beizusteuern als meine Wenigkeit.

 


 

2. Olympia? Kuckst du?

Nein! Nie.

Zum Thema Sport ist damit von meiner Seite auch alles gesagt, was es zu sagen gibt.

 


 

3. Edathy. Verschwörung, Dummheit oder was ganz anderes?

Schwierige Frage, deren Beantwortung mir schwer fällt.

Der mediale Affentanz gehört an einen Ort, wo oft eine Zeitschrift daneben liegt („wenn’s mal etwas länger dauert“). In den Nachrichten wird ja sogar von „kalkuliertem Staatsversagen“ gesprochen. Politische Ränkespiele, Schmierentheater und Volkszorn bilden hier ein Konglomerat, das sich einer nüchternen Betrachtung entzieht.

Diese Person Edathy ist mir als Mensch zuwider, seine „Neigungen“ missbillige ich entschieden, da gibt es gar nichts zu diskutieren. Die Hexenjagt hingegen verurteile ich ebenso. Läge das Schicksal dieses Mannes genau jetzt in den Händen des Volkes, so würde dieser wohl noch heute direkt am nächsten Baum aufgeknüpft werden und das finde ich beängstigend.

 


 

4. Bedingungsloses Grundeinkommen. Sinnvoll?

 

Ja!

 

Damit würde man den Menschen Achtung entgegenbringen, die durch das grobmaschige, löchrige soziale Netz fallen, statt diese auf den Ämtern für Hartz 4 (laut derzeitigem Euphemismus ALG 2) strammstehen zu lassen und zu gängeln. Und „leisten“ könnten wir uns das allemal.

Wir produzieren viel mehr, als wir verbrauchen können und werfen tonnenweise genießbare Lebensmittel weg (nebenbei behandeln wir Menschen, die darauf aufmerksam machen wollen zynisch als Diebe und verlangen drastische Strafen).

Wir bauen Autos, deren Gewicht und Größe in keinem Verhältnis zur Notwendigkeit des Energiesparens stehen, obwohl die Rohstoffe immer knapper werden.

Wir leisten uns Manager mit Gehältern, die ganze Dörfer ernähren könnten und behandeln die Menschen, die das alles erst möglich machen (Arbeit), wie Dreck.

Wir (als Spezies) verschwenden mehr Energie pro Kopf, als jedes andere Lebewesen dieses Planeten, aber wollen die Menschen am unteren Ende unserer Gesellschaft nicht an diesem Überschuss teilhaben lassen. Stattdessen werden diese ausgegrenzt, diffamiert und ihr ohnehin minimaler Anteil am Kuchen der Gesellschaft noch in Abrede gestellt.

Die Mär vom Sozialschmarotzer wird von denen gepredigt, die ganz ungeniert die Energie des Volkes abschöpfen, indem sie dieses vollständig ausbluten lassen (Humankapital), um sich mit der satten Ausbeute den obligatorischen fetten Arsch vergolden zu lassen und von den Dummen genährt, die deren falsche Predigten glauben.

Über die Summe ließe sich streiten, sie sollte aber ein Leben ohne Hunger und Obdachlosigkeit ermöglichen und den Zugang zu Bildung und sozialer Teilhabe nicht verwehren. Des Menschen Würde wäre damit endlich mal ein Schritt Richtung Unantastbarkeit gelungen. Versprochen wurde das ja bereits im Grundgesetz.

 


 

5. Europawahl. Wählen gehen?

Sicher sollte man prinzipiell Wählen gehen. Ist ja schließlich zum Wohle der Demokratie. Wäre da nicht die Tatsache, dass „Wahlen“, wenn dieser Begriff nur die Entscheidung zwischen verschiedenen Übeln meint, strenggenommen eigentlich mit dem Terminus „Dilemma“ besser etikettiert wären.

 


 

6. Bloggen. Bringt das noch was?

Ganz abgesehen vom selbsttherapeutischen Wert, seine Gedanken frei geäußert und niedergeschrieben zu haben, ist es noch immer die beste Möglichkeit die Welt wissen zu lassen, was man halt für wissenswert hält, ohne den Filter der vierten Gewalt dazwischen. Ob das Bloggen offiziell gerade auf irgendwelchen unwichtigen In- oder Out-Listen steht, ist dabei so irrelevant, wie der gerade eben katastrophal umgekippte Sack Reis in China.

 


 

7. Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?

Arbeit stinkt. Der naturnahe Mensch würde den größten Teil des Tages schlafen, zu gegebener Zeit etwas zu Essen organisieren und die restliche Zeit mit Freunden verbringen, seinen Hobbys frönen oder sonst was tun (sich da kratzen, wo es juckt). Muße ist Lebensqualität und ich würde ihr den gebührenden Teil meiner Zeit widmen. Sporadisch (also so, wie jetzt auch) würde ich aber weiterhin meine Ideen in ein Korsett aus Buchstaben quetschen, um diese über Kupferleitungen in andere Köpfe zu transportieren.

 


 

8. Was wollen wir trinken?

Wasser.

Das ist die ultimative Erfrischung, so klar und rein, wie ein Gebirgsquell. Die besten Sachen gibt es tatsächlich in der Natur.

Bei besonderen Anlässen und in Begleitung guter Freunde darf das Wasser auch mal mit ein wenig Malz, Getreide und Hefe angereichert und gut abgestanden sein. 

 


 

9. Wo wollen wir das trinken?

Der Ort ist unwichtig, aber die Leute nicht. Deshalb: In guter Gesellschaft.

 


 

10. Was singen wir dazu?

Singen ist überbewertet. Jeder Horst glaubt heute, einem mit Gesang den Tag versauen zu müssen. Dabei können das die wenigsten. Lieber zu einer feinen Melodie beschwingt mit dem Fuß wippen, dadurch die Nervenkostüme der Mitmenschen nicht durch gutturale Kakophonie penetrieren, und du gewinnst.

 


 

11. Und wen laden wir noch ein?

Siehe Punkt 9.

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Nudelholz

  1. Da ich noch nicht so lange blogge, weiß ich leider noch keine guten Adressaten, an die ich ein Stöckchen weiterreichen könnte. Einfach plump diesen Knochen an den Absender zurücksenden ist weder besonders geistreich, noch sinnvoll (bin ja kein Postbeamter). Ich werde das eventuell später mal nachholen, aber leider bleibt das hier die vorläufige Endstation.

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  2. Nicht schlecht! Eins rauf mit Mappe, wie man so schön sagt. Und ich kann tatsächlich alle angesprochenen Punkte bzw Ansichten uneingeschränkt teilen oder bejahen. Weiter so, AltaSack!! 😀

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