Alles ist prima (am Arsch der Hölle)

Ständig stolpert man im Netz über Leute, die scheinbar alles toll finden.

Leute, die sich offensichtlich vor keiner (und sei es noch so dämlichen) Idee fürchten und jede Form von Schund und Unsinn tolerieren wollen. Leute, die selbst den flachsten Niveaulimbo schönreden müssen, die sogar versuchen, akute Entgleisungen in Stilfragen  einfach wegzudiskutieren, ja die selbst gröbste Strukturstörungen in der Geschmacks-Matrix einfach relativieren wollen.

Leute also, die offensichtlich von Satan selbst geschickt wurden, um des Menschen Sinne wie Speck über dem Höllenfeuer zu rösten und sein Gespür für Ästhetik und Schönheit auf halber Flamme zu braten, auf das sein Geist runzlig und mürbe werde wie eine ausgetrocknete Rote Beete, so dass er spirituell im Dunkel der Anspruchslosigkeit versande.

Denn wenn Feingeist und Geschmack erst zum Teufel sind, können Kitsch, Geschmacksverbrechen und sämtliches Übel vom Arsch der Hölle ungehalten über unsere Welt hereinbrechen um sie vollends zu trivialisieren.

Denn das ist das Ziel dieser Leute, die nicht müde werden, Debatten über Geschmacksfragen ausbluten zu lassen, indem sie Toleranz und Laissez-faire predigen, wo immer sie auftauchen,  um jeder ausufernden Diskussion den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn sie gerade am meisten Spaß macht.

Ihre Argumentationsstrukturen sind stets gleich: „Es-ist-doch-alles-nur-Geschmackssache“, oder „Das-ist-aber-nur-deine-Meinung“ sind ihr Äquivalent zum 6er Imbusschlüssel bei Ikea:

Ihre perfide Diskussionsberuhigungs-durch-totale-Toleranz-Allzweckwaffe. Damit schalten sie alles gleich.

Mit dem Teil fallen sie (meistens hinterrücks) in laufende Streitigkeiten und eskalierende Diskussionsrunden ein und beschwichtigen, relativieren und  tolerieren sich quasi in einen Zustand der totalen Ausgeglichenheit und Glückseligkeit, bis auch der letzte qualitative Unterschied in einer esoterisch duftenden Wohlfühlwolke zerfasert.

Man kann dem nur mit einer einzigen Technik beikommen, dem vorsätzlichen, polemischen Seitenhieb, wenn sie es am wenigsten erwarten. Das Überraschungsmoment gelingt dank des unerschütterlichen Glaubens dieser Spezies an das Gute im Menschen, wodurch weitere strategische Verbalattacken möglich werden.

Ist der Hebel aber erst mal angesetzt können ein paar Salven Sarkasmus oder eine gezielt eingesetzte zynische Spitze das Ruder mit Glück wieder herumreißen,  und der leidige Diskurs nimmt erneut an Fahrt auf.

Ich plädiere demnach hiermit offiziell für eine stärkere Polemisierung aller im Netz geführten Diskussionen über Geschmacksfragen, um dieser Seuche erfolgreich entgegenzuwirken und so den Biss zurück in die Kommunikation zu bringen.

Denn sonst werden irgendwann alle Debatten im Web zu Konsensbezeugungen und gegenseitigen Schulterklopforgien und das führt zu intellektueller Insolvenz und Rheuma in den Schlüsselbeinen.

 

 

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